00:00:00: Eine körperliche Abhängigkeit bedeutet, dass man ein Medikament nicht einfach abrupt absetzen kann.
00:00:05: Das ist tatsächlich bei den Opioiden der Fall auch das ärztliche Aufgabe das zu begleiten und zu betreuen.
00:00:11: Nicht zu unrecht werden solche Medikamente ja auch nur über Rezeptverabreich, über sogenannte Betäubungsmittelrezepte.
00:00:18: Die also auch nochmal ein Extrasicherungsmechanismus
00:00:20: haben.".
00:00:21: Und dann ist eben noch eine weitere Sorge die Patienten haben dass sie eben so benommen sind?
00:00:25: Das
00:00:25: kommt tatsächlich schon vor das betroffene die noch nie zuvor diese Art von Medikation gehabt haben beeinträchtigt sind und wir dann die Rückversicherung geben dass das zu den Nebenwirkungen gehört die sich fügen.
00:00:39: Wir sind heute im Uniklinikum in Heidelberg, sprich mit Herrn Professor Alt Epping.
00:00:43: Sie ist Erstlicher Direktor der Klinik für Palativmedizin und vielen lieben Dank, dass sie sich heute Zeit für uns nehmen.
00:00:50: Jetzt hatten wir schon ein paar Mal gesprochen über die Medikamente, die zur Verfügung stehen Und jetzt muss ich auch tatsächlich sagen, ich selber sehe es auch so.
00:01:01: Wir hatten in den USA wirklich diese gigantische Krise mit unzähligen Toten wegen der Abhängigkeit von Medikamenten, die ursprünglich mal von Ärzten verschrieben worden sind.
00:01:13: Wie ... Also glücklicherweise ist das in Deutschland nicht eingetreten?
00:01:16: Ich bin da ganz begeistert davon und frag mich aber eigentlich was haben wir in Deutschland anders gemacht?
00:01:20: oder was machen Sie anders?
00:01:22: Dass sichergestellt wird, dass ein Patient der Opioidemal bekommen hat da auch wieder rauskommt, ohne Schaden zu nehmen.
00:01:30: Ich denke, das wird natürlich auch von ganz unterschiedlichen Situationen sprechen.
00:01:35: Hier geht es ja um den Einsatz stark wirksamer Schmerzmedikamente in einer konkreten Erkrankungssituation die ärztlich gesteuert und betreut wird.
00:01:49: Und dann aber auch wenn die Erkränkungssituation beendet ist, aufhört.
00:01:54: Wir sprechen von einer wirksamen Schmerztherapie bei Krebs.
00:02:02: Ich glaube, es ist wichtig, dass man den Betreuungsaspekt auch von therapeutischer Seite aus immer wieder hervorkehrt und sagt, das ist unsere Aufgabe, die Schmerztherapie genauso im Blick zu behalten wie alle anderen Maßnahmen, die im Rahmen der Krebserkrankung eingeleitet werden.
00:02:20: Wenn Sie mal ganz konkret sagen würden, welche Maßnahmen stehen im Vordergrund um Abhängigkeiten zu vermeiden?
00:02:27: Beziehungsweise wenn der Patient da wirklich nach Hause geht das eben keine Abhängigkeit entstehen könnte.
00:02:33: Also eine Abhängigkeitszeit ist jetzt vielleicht nochmal tatsächlich ein etwas anderes Thema.
00:02:37: abhängigkeit darunter meint man ja eine körperliche oder auch eine psychische abhängigkeit.
00:02:43: Eine körperliche Abhängigkeit bedeutet, dass man ein Medikament, wenn man es längere Zeit eingenommen hat nicht einfach abrupt absetzen kann.
00:02:51: Und weil dann Entzugsentscheinungen entstehen könnten und das ist tatsächlich bei den Opioiden der Fall, dass wenn man eben nur lang genug oder auch hoch dosiert genug eben halt Opioida eingenomen hat, man sie eben nicht mehr von einem Tag auf einen anderen komplett stoppen kann sondern ausschleichen muss.
00:03:06: Auch das ist ärztliche Aufgabe das zu begleiten und zu betreuen.
00:03:10: Und das ist aber auch gar nichts Spezifisches für Opioide, sondern es gibt auch ganz viele andere Medikamente in der Medizin, die man nicht von einem Moment auf den anderen absetzen darf.
00:03:20: Sondern ärztlich begleitet ausgeschlichen werden müssen.
00:03:24: Insofern gerade in der Krebstherapiesituation und dieser Ausnahmesituation und erst recht in der Palliativ-Situation wenn Menschen also doch eine in eine unheilbare Erkrankung haben spielt dieser Abhängigkeitsaspekt wirklich eine total untergeordnete Rolle.
00:03:41: Also mein Fazit ist jetzt, Sie begleiten die Patienten einfach nicht?
00:03:46: Sie lassen sie nicht einfach irgendwie nach Hause und dann kümmert sich keiner mehr, sondern Sie werden begleitet?
00:03:51: Ja, sie werden betreut natürlich, als sicherseits auch dauerhaft.
00:03:54: Und nicht so unrecht werden solche Medikamente ja auch nur über Rezept verabreicht und ausgeteilt in den Apotheken oder sogenannte Betäubungsmittelrezepte die auch noch mal ein Extrussicherungsmechanismus haben, was für diese Erkrankungssituation einfach total wichtig ist und richtig ist.
00:04:16: Und dann ist eben noch eine weitere Sorge, dass die Patienten so benommen sind, sie hören nicht mehr richtig funktioniert.
00:04:25: Ist das zutreffend oder was kann man dagegen machen?
00:04:28: Das kommt tatsächlich schon vor, dass Menschen oder Betroffene die noch nie zuvor diese Art von Medikation gehabt haben für zwei Tage etwas müder mal sind.
00:04:41: Auch eine Müdigkeit, die nicht notwendigerweise als ungut empfunden wird aber trotzdem auch beeinträchtigt ist und wir dann die Rückversicherung geben das zu den Nebenwirkungen gehört die sich fügen und verschwinden nach einiger Zeit, nach einigen Tagen.
00:04:58: Nach zwei, drei Tagen vielleicht auch noch einer Woche.
00:05:01: Aber diese Benommen oder Müdigkeit, die unter der ersten Einnahme von morphineartige Präparaten auftritt etwas ist, was man gut händeln kann, weil es einfach von selbst wieder weggeht?
00:05:11: Das geht weg, weil der Körper sich dann dran gewöhnt ... Genau!
00:05:14: Absolut
00:05:15: hergenommen.
00:05:16: Mhm.
00:05:18: Was gibt's sonst für relevante Nebenwirkungen?
00:05:21: die man noch bedenken sollte?
00:05:23: Also, klar am Anfang kann das auch sein, dass noch ein bisschen Übelkeit auftritt.
00:05:26: Auch bis zu einer gewissen Gewöhnung und auch die verschwindeten nach der Zeit.
00:05:29: aber gegen Übeligkeit kann man natürlich auch mal für ein paar Tage überbrücken, bisschen Übilkeitsmedikament geben, auch dass es unsere Aufgabe da drauf zu achten, die Maßnahmen oder die Nebenwirkungen, die tatsächlich bleibt und wo man eigentlich doch für die gesamte Zeit der Schmerztherapie ... Ein Blick drauf haben müsste, dass es die Verstopfung ist.
00:05:49: Medikamente können Verstoppfungen machen was insofern eben wichtig ist weil natürlich auch gerade im Kontext von Krebs auch noch viele andere Gründe für Verstoppungen auftreten könnten.
00:06:00: und jetzt kommt noch ein Grund mehr dazu und insoferen ist auch.
00:06:03: unsere Aufgabe ist zu gucken das also auch regelmäßig Stuhlgang stattfindet und auch da würde man nachhelfen mit medikament von... Mit Abfürmitteln oder?
00:06:14: Ich glaube was wir Dann wahrscheinlich total wichtig ist dieser Dialog zwischen behandelndem Arzt und Patienten, dass die Patienten auch möglichst gut berichten.
00:06:23: Also einerseits was sie noch spüren eben auf der Seite der Schmerzen aber wahrscheinlich eben auch was sich spüre mit Nebenwirkungen.
00:06:31: Ich glaube das ist da total wichtig in diesen Dialog hineinzugehen.
00:06:34: Genau absolut!
00:06:35: Deswegen gehört des Abfragen von Nebenwirkung genauso dazu wie das Abfragen von der Wirksamkeit des Medikamentes.
00:06:44: Also fragt dann der Behandelarzt wirklich die konkreten Nebenwirkungen ab.
00:06:48: Weil ich glaube, manchmal als Patient denkt man gar nicht dran, dass das als zum Beispiel so ... jetzt spontan gesagt Verstopfung kommt mir ja eigentlich nicht spontan aufs Idee, dass es mit dem Schmerzmedikament zusammen ist?
00:06:57: Doch,
00:06:57: das wird regelmäßig erfragt.
00:06:59: Okay,
00:06:59: damit da auch wirklich geklärt wird.
00:07:01: Genau.
00:07:02: Und jetzt noch mal die Frage, was ist denn eine realistische Erwartung?
00:07:06: Was kann denn unter einer Schmerztherapie erwartbar sein?
00:07:12: Also wir wollen, Menschen, die betroffen sind von einer Krebserkrankung.
00:07:20: Diese Erkrankungs- und Therapiesituation bestmöglich aushalten können und überstehen können.
00:07:28: Und das ist auch die Erwartung, die absolut berechtigt ist.
00:07:34: Ob es bedeutet dass ein Mensch komplett schmerzfrei ist also null Schmerz hat Und Nullbelastungen hat das, glaube ich kann man so nicht erwarten.
00:07:47: Sondern die Erkrankung an sich ist natürlich sehr komplex und die Therapien sind sehr komplex dass Natürlich auch bestimmte Belastungen auftreten, die man eben nicht mit ganz viel Medikament wegbekommt.
00:08:01: Oder man auch sagen muss okay noch mehr Medikamente würde wahrscheinlich wiederum eigene Belastung auslösen und man dann in vielen Mittelmaß finden muss und sagen muss ist das denn für sie noch gut erträglich?
00:08:10: Kommen Sie trotzdem klar?
00:08:12: Ist erhaltbar überwältigbar?
00:08:14: Können Sie trotzdem gut schlafen und kommen Sie klar?
00:08:17: Dann wäre man glaube ich In der Situation Das wäre so das Mindeste was man erreichen wollen würde.
00:08:26: Ich glaube, dass es auch so ist, dass der Schmerz immer noch eine Information trägt.
00:08:32: Man würde ja gar nicht wollen, dass man sich irgendwo anstößt und merkt das gar nicht mehr ... Nee,
00:08:37: klar.
00:08:37: Das passiert natürlich auch nicht.
00:08:39: Oder eben die eigene Wahrnehmung im körperen Inneren muss doch gegeben sein, damit man darüber kommunizieren kann, wenn da etwas besonders weh tut?
00:08:48: Absolut.
00:08:49: Trotzdem ein Menschen zum Beispiel.
00:08:51: Krebserkrankung haben im Bauchbereich und Bauchschmerzen ein Thema ist, freuen wir uns natürlich trotzdem wenn die Bauch schmerzen wirklich auch unter Medikationen weg sind.
00:09:01: Und das ist auch denkbar!
00:09:02: Ich glaube dass wir wirklich... also dann muss ich sagen bin ich auch wirklich extrem dankbar inzwischen da Riesenfortschritte gemacht haben weil Ich weiß nicht, so in den Achtzigerjahren ... letzten Jahrhunderts war es oft noch so, dass man sagt, man gibt die Schmerzmedikamente nicht.
00:09:15: Weil eben bla blar Abhängigkeit und so weiter und so fort.
00:09:18: Und ich glaube, da haben wir einen großen Schritt vorwärts gemacht und gesagt, nein, Schmerzen müssen nicht sein, um zumindest nicht in jedem Maß zu sein.
00:09:24: Sondern man betreut ja wirklich die Patienten und sieht zu, dass die Schmärzen vernünftig gemeinnenscht werden?
00:09:30: Absolut nicht!
00:09:31: Die Möglichkeiten sind dramatisch ausgeweitet im Vergleich zu den Aachtziger-Jahren was die Auswahl von Medikamenten angeht, aber auch was die therapeutischen Strukturen angeht.
00:09:43: Dass es Menschen gibt ... Also das ist auch in der Onkologie eine Grundexpertise natürlich da.
00:09:49: Es sind Hausarztpraxis und Expertise da ist.
00:09:52: Aber dann eben noch zusätzliche spezialisierte Expertise existiert durch die Palliativmedizin zum Beispiel durch die Anästhesi, anesthesiologische Schmerzmedizin.
00:10:01: Und dann on top natürlich auch noch durch den ... weitere Interventionen, die es auch früher in der Form nicht gab.
00:10:07: Die zum Beispiel die Neurochrologie oder die Strahlentherapie und andere Fachbereiche bedient werden?
00:10:13: Wunderbar!
00:10:14: Ich glaube das ist ein wirklich perfektes Schlusswort.
00:10:16: Ganz herzlichen Dank Herr Prof.
00:10:17: Alt Epping.
00:10:18: Sehr gerne.
00:10:19: Vielen Dank für diesen Blick.
00:10:20: Danke Ihnen.